Achterbahnfahrt mit Bodenkontakt: Aarau holt sich die nächsten Punkte

von Tanja Lüscher

Manche Teams spielen Volleyball, um zu gewinnen. Wir? Wir spielen Volleyball, weil wir es lieben. Und weil wir es so sehr lieben, beschlossen wir am Samstag gegen Kanti Baden, die Sache auf die volle Distanz auszudehnen. Warum in 90 Minuten fertig sein, wenn man auch zwei Stunden Spass haben kann?

Als Aufsteiger in die 3. Liga Pro ist jedes Spiel ein Abenteuer. Dieses Mal fühlte es sich an wie eine Achterbahnfahrt – inklusive freiem Fall.

Der erste Satz lief wie am Schnürchen. Souverän, konzentriert, fast schon beängstigend gut. Wir machten kurzen Prozess und holten uns den Satz mit 25:16. Vielleicht zu gut?

Denn Satz zwei war das genaue Gegenteil. Es war, als hätte jemand vergessen, uns zu sagen, dass die Pause vorbei ist. Kanti Baden wachte auf, und wir... nun ja – halt nicht. Eigenfehler, wohin man blickte. Der Satz ging klar an die Gegner.

Satz drei war dann der emotionale Tiefpunkt der Achterbahn. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem wir am Ende knapp den Kürzeren zogen. 2:1 für Baden. Die Stimmung war... angespannt.

Besonders angespannt war es offenbar auf unserer Bank. So angespannt, dass unser AC Oleg mit einer unfreiwilligen Einlage für Heiterkeit sorgte. Mitten im dritten Satz – ein Ball prallte unglücklich von unserer Defense ab und schoss auf die Bank zu. Oleg versuchte auszuweichen, uns eine Chance zum weiterspielen zu ermöglichen, und rutschte dabei von der Bank. Ein artistischer Abgang, der fast mehr Applaus verdient hätte als mancher Punkt. (Spoiler: Ihm geht’s gut, nur sein Stolz hat vielleicht einen blauen Fleck.)

Doch dieser kleine "Wachrüttler" von der Seitenlinie schien zu wirken. Im vierten Satz packten wir wieder unser bestes Volleyball aus. Plötzlich klappten die Spielzüge wieder.

Hier muss ich Nora hervorheben, die am Netz ein Repertoire an Finten und smarten Angriffen auspackte, das die Gegnerinnen zur Verzweiflung trieb. Wieder und wieder platzierte sie Bälle dorthin, wo niemand stand, und machte Kanti Baden das Leben schwer.

Wir holten uns Satz vier und es ging – wie könnte es anders sein – in unseren neuen Lieblingssatz: den Fünften.

Und hier kam der grosse Auftritt von Olivia. Es stand Spitz auf Knopf, die Nerven lagen blank. Doch Olivia trat an die Servicelinie, als ginge es um nichts. Einmal. Zweimal. Kanti Baden nahm ein Time-Out, um sie aus dem Rhythmus zu bringen. Olivia atmete durch, ging zurück – Service on point. Nerven aus reinem Stahlbeton!

Dank dieser Coolness und einer geschlossenen Teamleistung am Ende sicherten wir uns auch den Entscheidungssatz und damit den 3:2-Sieg.

Fazit: Wir haben vielleicht noch nicht die Konstanz für ein 3:0, aber wir haben definitiv die Nerven (und offenbar die Sitzfestigkeit... meistens) für die langen Krimis. Und hey, zwei Punkte sind zwei Punkte!