Udo Jeschke

Ein Interview zum Saisonbeginn

Manuela Schenker: Seit dem 13. August bist du als Trainer beim BTV Aarau Volleyball tätig und leitest die Trainings des Damen 2, Q1, Q0 und Kids. Du bist von Essen (D) in die Schweiz gezogen. Hast du dich gut eingelebt und wie gefällt es dir bei uns Schweizern?

Harald Gloor: Hoi zämme! Ja, ich habe mich sehr schnell eingelebt, nicht zuletzt deshalb, weil die Schweiz einfach ein sehr schönes Land ist. Wir sind von Anfang an sehr nett aufgenommen worden sowohl im Verein aber eben auch, wenn man essen geht oder in die Bäckerei, ins Freibad, an den See oder einfach in die Natur. Vieles geht hier beschaulich, aber auch diszipliniert und vor allem höflich zu. Das ist angenehm. Ich bin dankbar hier bei Euch in der Schweiz sein zu dürfen!

 

Was hat dich dazu bewogen den vollamtlichen Trainerposten bei den Eagles anzunehmen und deine Heimat Richtung Schweiz zu verlassen?​​​​​​​

Ich habe mein halbes Leben lang Volleyball gemacht/trainiert und hatte das Gefühl noch nicht am Ende angekommen zu sein. Ich will noch etwas bewirken mit der Erfahrung, die ich einbringen kann. Da kam das Angebot aus einem Land, das mich immer interessiert hat, wirklich gerade zur besten Zeit. Harry und Giusi haben mich davon überzeugt, dass im BTV beispielhaft professionell gearbeitet wird. Ich kann mich mit den Zielen, dem Führungsstil und dem Verein identifizieren! Da meine Frau die Entscheidung auch mitträgt und unterstützt, fiel es mir leicht zuzusagen.

 

Wo siehst du die grössten Unterschiede im Volleyball im Vergleich zu Deutschland?​​​​​​​

Volleyball in Deutschland fängt an aus der Nische einer Randsportart herauszukommen und etwas mehr zu einem «Event» zu werden. Musik, Hallen Sprecher, Catering, Fan Gemeinde und Trommeln auch in den unteren Ligen. Die Deutsche Bundesliga/der Deutsche Volleyball hat einen Masterplan, um die Sportart Volleyball in den Medien, für die Medien, für die Bürger, auch für Nichtvolleyballer zu einem Event zu machen und Interesse zu generieren. Das gilt Bundesland übergreifend. Ich weiss nicht, ob ich das in der Schweiz generell schon nach so kurzer Zeit beurteilen kann. Ich stelle fest, dass Volleyball bis zur 1. Liga meist in kleinen Hallen mit wenig Stimmung präsentiert wird. Da gibt es viel Altes. Volleyball müsste als Event präsentiert werden, damit Zuschauer, Medien und Sponsoren angesprochen werden, Nichtvolleyballer sollten so auch in den Bann gezogen werden können. Beispielhaft empfinde ich die Trainerausbildung, was die theoretischen Unterlagen und das zur Verfügung stellen von Lehrvideos, Leitbildern angeht. Wenn dann die Trainer in der Schweiz dies umsetzen würden…

 

Die Saison hat begonnen und du bist überall anzutreffen. Sei es bei einem Kids Turnier am Morgen, am Mittag beim U15 Turnier und am Abend mit einem deiner Teams an einem Meisterschaftsspiel. Wie behältst du da die Übersicht und bringst alles unter einen Hut?

Ja, ich bin gerade dabei mir eine Übersicht zu verschaffen. Übersicht verschaffen in Hinblick auf Technik, Taktik und Spielweise in den einzelnen Altersklassen, Spielklassen usw. Dazu ist es nötig Überstunden zu machen. Die Übersicht über die einzelnen Spielerinnen in den verschiedenen Altersklassen habe ich jetzt nach knapp drei Monaten geschafft. Fast alle Namen weiss ich auswendig. Was die unterschiedlichen Entwicklungen in Technik und Taktik angeht, versuche ich mir von einem zum anderen Training einen aufbauenden Plan zu machen. Ich lehne mich unter anderem an die Leitbilder und Anforderungen von BTV Aarau Eagels und Swiss Volley für die jeweiligen Ausbildungsstufen an. Was das Coachen zweier Mannschaften eng hintereinander (es waren am Nachmittag und Abend sogar zwei Meisterschaftsspiele) bzw. gleichzeitig angeht – das ist schon eine Herausforderung. Da ist die Taktung sicher etwas eng, aber mit Unterstützung des Vereins und Assistenztrainern funktioniert es schon.  

 

Was ist dein persönlicher Wunsch für die Saison 2018/19?

Jede der jungen Spielerinnen individuell und als Teams fördern, fordern und persönlich weiterbringen. Dem Verein dabei helfen, die Ziele Aufstieg, führender Verein in der Schweiz und in der Jugendförderung zu werden. Wenn man dabei dann auch noch manche Spiele gewinnt, umso besser.